Erfahrungsbericht Sebastian aus Shijiazhuang

Obwohl die Kommunikation mit den Studenten teilweise schwierig war, habe ich sie trotzdem schnell alle lieb gewonnen.

Basti

Gastdozent in Hebei Vocational College of Rail Transportation
im Fachbereich Logistik

Vier Wochen China, das erste Mal unterrichten und jede Menge neue Eindrücke. Was anfangs noch mit viel Aufregung verbunden war, wurde für mich schnell zu einer Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte.

Als ich Mitte März die Nachricht von Dominik bekam, dass er einen Gastdozenten für China sucht, habe ich nicht lange gezögert. Die Möglichkeit für vier Wochen nach China zu gehen und dort an einem College zu unterrichten, war für mich etwas Besonderes. Gleichzeitig hatte ich natürlich Respekt vor der Aufgabe. Ich hatte zuvor noch nie selbst unterrichtet und sollte nun in einem fremden Land vor Studierenden stehen und eigenständig Unterricht gestalten. Das war eine Herausforderung, auf die ich mich nur schwer vollständig vorbereiten konnte. Trotzdem war für mich schnell klar, dass ich diese Chance nutzen möchte. Gerade weil die Situation neu für mich war, sah ich darin eine Möglichkeit mich persönlich weiterzuentwickeln und mich einer Aufgabe zu stellen, bei der ich viele neue Erfahrungen sammeln konnte. Mit dieser Einstellung habe ich zugesagt und mich auf vier Wochen China gefreut.

Die Anreise mit dem Flug nach Peking und der anschließende Transport bis zum Collegegelände verlief problemlos und war sehr gut organisiert. Bereits am ersten Tag lernte ich meine Deutschlehrerin kennen, die mich während meines gesamten Aufenthalts im Unterricht begleitete und für mich zu einer wichtigen Ansprechpartnerin wurde. Kurz darauf stand auch schon meine erste Vorlesung an. Zwei Klassen waren zusammengelegt worden, sodass ich plötzlich vor knapp 80 Studierenden stand. Meine Nervosität war mir vermutlich deutlich anzusehen. Doch die Aufregung legte sich schneller als erwartet und bereits nach wenigen Tagen wurde es für mich ganz normal, vor so vielen Menschen zu stehen.

Besonders interessant war für mich auch der Moment, in dem ich meine eigene Prüfung erstellen musste. Nach mehreren Jahren als Student war es ungewohnt, plötzlich auf der anderen Seite zu stehen und selbst entscheiden zu müssen, welche Inhalte abgefragt werden. In meinem Studium hatte ich mir die Erstellung von Prüfungen immer deutlich einfacher vorgestellt. Jetzt konnte ich zum ersten Mal nachvollziehen, wie viel Arbeit und Verantwortung tatsächlich dahintersteckt.

Auch abseits des Unterrichts waren die Studierenden eine große Unterstützung. Sie waren immer freundlich und halfen mir bei Fragen weiter. Insgesamt habe ich die Atmosphäre am College als sehr offen und herzlich wahrgenommen, gleichzeitig aber auch als deutlich anders als an einer Hochschule in Deutschland. Schön fand ich es, als wir in der letzten Woche gemeinsam auf dem Collegegelände Fußball gespielt haben und sie mir ihre besten Restaurants gezeigt haben. Dabei haben sie mir die traditionelle chinesische Küche nähergebracht und ich ihnen die deutsche Kultur des Biertrinkens. Solche Momente haben meinen Aufenthalt sehr bereichert, weil ich dadurch auch abseits des Unterrichts Zeit mit den Studenten verbringen und mehr über ihren Alltag und ihre Kultur erfahren konnte.

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Neben meinem Unterricht hatte ich vor allem an den Wochenenden die Möglichkeit, China auch außerhalb des Collegegeländes zu erleben. Trotz der enormen Größe lässt sich das Land dank des gut ausgebauten Hochgeschwindigkeitszugnetzes sehr gut bereisen. Mein erstes Wochenende habe ich direkt genutzt, um die Chinesische Mauer zu besuchen. Es war schon ein besonderes Gefühl, plötzlich selbst auf der Mauer entlangzulaufen, die man sonst nur aus Bildern kennt. Das war definitiv eines der Highlights meiner Zeit in China. Mein zweites Wochenende habe ich dann in Peking verbracht und unter anderem die verbotene Stadt und den Himmelstempel besucht. Dabei fand ich es spannend zu sehen, wie unterschiedlich eine Stadt wirken kann. Auf der einen Seite erlebt man jahrhundertealte Geschichte und beeindruckende historische Bauwerke, während das moderne Leben gleichzeitig sehr fortschrittlich und dynamisch wirkt. Am letzten Wochenende ging es dann noch nach Shanghai. Die Stadt wirkt noch einmal deutlich moderner und vor allem die Skyline mit ihren vielen Hochhäusern hat mich sehr beeindruckt.

Eine Sache, an die ich mich während meiner Ausflüge erst einmal gewöhnen musste, war die Aufmerksamkeit die ich als Europäer bekommen habe. Mehrmals am Tag wurde ich von Menschen angesprochen und gefragt, ob sie ein Foto mit mir machen dürften. Anfangs war es noch etwas ungewohnt plötzlich selbst zur kleinen Sehenswürdigkeit zu werden, aber irgendwann musste ich darüber einfach nur noch schmunzeln und habe dann auch Selfies mit ihnen gemacht.

Zusammengefasst kann ich über meine Zeit in China sagen, dass ich die vier Wochen sehr genossen habe und mich persönlich weiterentwickeln konnte. In meinen ersten Vorlesungen war ich zwar erst einmal aufgeregt, aber gegen Ende hat das Unterrichten sogar richtig Spaß gemacht. Obwohl die Kommunikation mit den Studenten teilweise schwierig war, habe ich sie trotzdem schnell alle lieb gewonnen. Daher lief auch die ein oder andere Träne, als ich das College wieder verlassen musste. Bei meinen Ausflügen sind mir neben den ganzen Sehenswürdigkeiten vor allem die vielen zufälligen und freundlichen Begegnungen mit Einheimischen in Erinnerung geblieben.

Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich mich auf diese Reise eingelassen habe. Es war ein Monat voller Erlebnisse, neuer Eindrücke und toller Menschen. Ich kann wirklich jedem empfehlen, der so eine Chance bekommt, sie zu nutzen.

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