Erfahrungsbericht Bennett aus Zaozhuang und Shijiazhuang

Gerade wenn man merkt, wie viel man selbst noch lernt, während man unterrichtet, wird aus einem Lehrauftrag eine echte Erfahrung.

Bennett

Gastdozent an Hochschulen in Zaozhuang und Shijiazhuang
im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen

Zwei Aufenthalte als Gastdozent in China

Im Jahr 2023 ging es für mich für drei Wochen nach China, genauer gesagt nach Zaozhuang. Mein Auftrag war es, an der dortigen Hochschule Logistik, internationalen Transport und IT in der Logistik zu unterrichten. Ein Jahr später, 2024, folgte ein zweiter Aufenthalt, diesmal für zwei Wochen in Shijiazhuang, wo ich Automobilmodule unterrichtete.

Dass ich einmal in China vor einer Klasse stehen würde, hatte ich mir vorher nicht wirklich vorgestellt. Wirtschaftsingenieurwesen habe ich im Bachelor und Master studiert, und genau diese Mischung aus Technik und wirtschaftlichem Denken hat mir später geholfen, mich in ganz unterschiedliche Themenfelder wie Logistik und Automobiltechnik einzuarbeiten.

Als die Anfrage kam, ob ich mir vorstellen könnte, für einige Wochen in China zu unterrichten, musste ich nicht lange überlegen. Die Möglichkeit, mein Fachwissen in einem völlig anderen Umfeld weiterzugeben und gleichzeitig ein Land kennenzulernen, das ich bis dahin nur aus Berichten kannte, hat mich sofort gereizt.

Ankommen in einem neuen Alltag

Beide Male war der Anfang eine kleine Umstellung. Die Zeitverschiebung, die fremde Sprache, ein Campus, der sich von allem unterschied, was ich aus Deutschland kannte. Doch schon nach den ersten Tagen merkte ich, wie schnell man sich in einen neuen Rhythmus einfindet, wenn man offen auf die Menschen vor Ort zugeht.

Sowohl in Zaozhuang als auch später in Shijiazhuang wurde ich von Anfang an sehr herzlich empfangen. Die Gastfreundschaft, die mir entgegengebracht wurde, hat mich wirklich beeindruckt. Man hat sofort gemerkt, dass die Kolleginnen und Kollegen vor Ort alles dafür tun, damit man sich als Gastdozent wohlfühlt.

Unterricht in Logistik, Transport und IT

In Shijiazhuang drehte sich mein Unterricht rund um Logistik, internationalen Transport und IT in der Logistik. Drei Wochen lang ging es darum, den Studierenden nicht nur theoretisches Wissen zu vermitteln, sondern auch ein Gefühl dafür zu geben, wie eng diese Themen in der Praxis miteinander verzahnt sind.

Der Unterricht war von Anfang an sehr strukturiert aufgebaut. Das lag zum einen an der guten Vorbereitung vor Ort, zum anderen aber auch daran, wie diszipliniert und aufmerksam die Studierenden mitgearbeitet haben. Fragen wurden gestellt, Beispiele wurden diskutiert, und ich hatte selten das Gefühl, gegen eine Wand zu reden.

Besonders die Verbindung von internationalem Transport und IT-gestützten Prozessen kam bei den Studierenden gut an. Viele von ihnen konnten sich sehr genau vorstellen, später selbst in genau diesen Bereichen zu arbeiten, was den Austausch noch einmal lebendiger gemacht hat.

Ein Jahr später: Automobilmodule in Zaozhuang

2024 führte mich mein zweiter Aufenthalt nach Zaozhuang. Dort unterrichtete ich zwei Wochen lang im Bereich Automobilmodule, ein Thema, das inhaltlich noch einmal anders gelagert war, aber ebenfalls sehr gut zu meinem Hintergrund im Wirtschaftsingenieurwesen passte.

Auch hier war der Unterricht klar durchstrukturiert, und auch hier habe ich eine Gruppe erlebt, die sehr motiviert und wohlwollend mitgearbeitet hat. Es war schön zu sehen, dass sich manche organisatorischen Eindrücke aus Shijiazhuang bestätigten, gleichzeitig aber auch neue Facetten dazukamen, weil eine andere Hochschule, eine andere Stadt und ein anderes Fachthema natürlich auch einen etwas anderen Alltag mit sich bringen.

Leben neben dem Unterricht

Was mir an beiden Aufenthalten besonders in Erinnerung geblieben ist, war die Leichtigkeit des Lebens vor Ort. Die Abende waren oft lang, es wurde gemeinsam gegessen, geredet und gelacht, und man hatte ständig das Gefühl, dass alle füreinander da sind. Diese Selbstverständlichkeit, mit der man sich umeinander gekümmert hat, habe ich so in dieser Form vorher nicht erlebt.

Auch das Essen hat mich überzeugt. Die Vielfalt, die Aromen, die Art, wie gemeinsame Mahlzeiten fast schon einen sozialen Mittelpunkt des Tages bilden, das war für mich eine der schönsten Seiten meines Aufenthalts.

Die Wochenenden habe ich beide Male genutzt, um in die umliegenden Städte zu fahren. Das hat mich nicht nur persönlich weitergebracht, sondern auch neue Freundschaften entstehen lassen, teilweise mit anderen Dozentinnen und Dozenten, teilweise mit Menschen, die ich unterwegs kennengelernt habe. Aus manchen dieser Bekanntschaften ist bis heute Kontakt geblieben.

Was von den Aufenthalten geblieben ist

Wenn ich heute zurückblicke, war es nicht nur ein einzelnes Erlebnis, das hängengeblieben ist, sondern die Summe vieler kleiner Momente. Der strukturierte, aber lebendige Unterricht. Die Offenheit der Studierenden. Die Gastfreundschaft, die einem überall entgegengebracht wurde. Und nicht zuletzt das Gefühl, in zwei völlig unterschiedlichen Fachbereichen, Logistik und Transport auf der einen, Automobilmodule auf der anderen Seite, mein Wissen aus dem Wirtschaftsingenieurwesen sinnvoll einbringen zu können.

Beide Aufenthalte, so unterschiedlich sie in Dauer, Ort und Thema auch waren, haben mich auf ihre eigene Art bereichert. Ich kann diese Erfahrung nur weitergeben und jedem empfehlen, der die Möglichkeit hat, sich einmal auf so etwas einzulassen. Man kommt nicht nur fachlich weiter, sondern lernt auch eine völlig andere Kultur, andere Menschen und ein anderes Lebensgefühl kennen, das einen noch lange begleitet.

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