Erfahrungsbericht Dominik aus Shijiazhuang

Meine Zeit in China, ein ganz besonderes Eintauchen in diese neue Kultur.

Dominik

Gastdozent in Hebei Vocational College of Rail Transportation
im Fachbereich Logistik

Meine Zeit in China, ein ganz besonderes Eintauchen in diese neue Kultur.
Als Gast in einem fremden Land in meiner eigenen Muttersprache zu unterrichten, dabei anfangs kaum verstanden zu werden und am Ende selbst mindestens genauso viel zu lernen wie meine Schüler, das beschreibt meine Erfahrung wohl am besten.

Ich bin Dominik und durfte im Mai 2025 dank Pecunia nach China fliegen, um für einen Monat am Hebei Vocational College of Rail Transportation in Shijiazhuang Logistik zu unterrichten. Für mich, frisch nach meinem Studienabschluss, kam die Gelegenheit wie gerufen: ein Perspektivwechsel nach den vielen Semestern Wirtschaftsrecht Studium, verbunden mit der Möglichkeit, in die Rolle des Dozenten zu schlüpfen – und das in einem völlig neuen Kulturkreis.

Doch das Abenteuer begann nicht erst in China. Schon vor dem Abflug gab es Verzögerungen bei der Abstimmung mit den chinesischen Partnern. Das Pecunia-Team hat zwar alles getan, um das abzufedern, und war jederzeit erreichbar. Dennoch fühlte es sich für mich anfangs wie ein sehr großer Sprung ins kalte Wasser an. Aber wie heißt es doch so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und so saß ich bald mit einem weiteren Tutor im Flieger ins Reich der Mitte.

Vor Ort lief dann alles überraschend reibungslos. Ich wurde direkt am Flughafen abgeholt und zum College Gelände gebracht, auf dem auch mein Hotel lag. Der Empfang war herzlich – mit reichlich Essen – und es fühlte sich fast so an, als wäre der Austausch schon seit Monaten geplant. Die nächste Überraschung ließ allerdings nicht lange auf sich warten: Auf dem Weg in meine erste Unterrichtsstunde erklärte mir die zuständige Deutschlehrerin, dass kurzfristig zwei Klassen zusammengelegt wurden. Und so stand ich plötzlich, vor rund 80 Schülern, in meiner ersten Unterrichtsstunde in China.
Die Aufregung wich jedoch schnell einer herzlichen Atmosphäre. Die Deutschlehrerin unterstützte mich, wo sie konnte, und die Studierenden waren neugierig und offen. Dieses Auf und Ab aus Überraschungen und neuen Herausforderungen begleitete mich die ganze Zeit. Das war jedoch eingebettet in ein Umfeld aus fürsorglichen und gastfreundlichen Menschen, die das wieder relativierten.

China ist in vielerlei Hinsicht ein anderes Land als Deutschland. Das spürt man sofort: an den vielen Menschen und den entsprechend großen Einrichtungen, an der digitalen Infrastruktur, die es ermöglicht, den kompletten Alltag mit dem Smartphone zu bestreiten, oder auch an den allgegenwärtigen Sicherheitsmaßnahmen in Form von Kameras und Polizei. Zuvor war mir vieles bekannt, doch es selbst zu erleben, ist ein ganz anderes Gefühl. Am stärksten beeindruckt hat mich die Gastfreundschaft und das aufrichtige Interesse der Menschen, die mir vorher so nicht bewusst waren. In den deutschen Nachrichten hört man viel über die Politik und Wirtschaft Chinas, aber kaum etwas über diese offene, freundliche und interessierte Gesellschaft.

Als Europäer fiel ich natürlich auf wie ein bunter Hund und das blieb nicht unbemerkt. Nicht jeder, der mich neugierig beobachtete, traute sich, mich anzusprechen. Doch immer wieder wurde ich angesprochen und eingeladen, etwas essen oder trinken zu gehen. Jedes Mal war es ein kleiner Kampf, überhaupt einen Teil der Rechnung übernehmen zu dürfen – meist erfolglos. Diese Aufgeschlossenheit hat mich beeindruckt, da ich Chinesen in Deutschland doch eher als zurückhaltend wahrgenommen habe. Auch die Schüler auf meinem Campus wurden nach wenigen Tagen nicht nur zu Lernenden, sondern zu Freunden, die mir mit Begeisterung ihr Land und ihre Kultur näherbrachten.

Apropos Lernen: Der Unterricht selbst war auch eine ganz besondere Herausforderung. Ein fachliches Thema in meiner Muttersprache so zu erklären, dass es für Lernende mit A1–A2-Niveau verständlich bleibt, aber trotzdem inhaltlich anspruchsvoll ist, war eine ständige Gratwanderung. Zumal ich nicht aus dem Fachbereich Logistik komme und mir viele Inhalte zuvor selbst angeeignet habe. Ich habe methodisch vieles aus meinem eigenen Studium eingebracht, wie Gruppenarbeiten oder eigenständige Projektaufgaben. Das war für die Studierenden ungewohnt, weil in China oft frontaler unterrichtet wird – verständlich in Anbetracht der Klassengrößen. Ich wollte es trotzdem probieren und bekam vom College dafür allen Freiraum. Es war herausfordernd, aber für alle Beteiligten eine spannende Erfahrung. Große Freiheiten hatte ich auch bei der Gestaltung meines übrigen Unterrichts.

Neben dem Unterrichten blieb mir auch genügend Zeit, das Land zu erkunden. Hier profitierte ich erneut von meiner Arbeit als Gastdozent: Meine Studierenden halfen mir, mich in den chinesischen Apps und Alltagsgewohnheiten zurechtzufinden. Sie gaben mir Tipps für Ausflüge und standen mir bei allen Fragen zur Seite – auch während meiner Ausflüge. So war ich auch bestens für die zwei Wochen Urlaub vorbereitet, die ich im Anschluss an meine Tutorenzeit in China angehängt hatte.

Insgesamt war China für mich eine rundum bereichernde Erfahrung. Ich bin sehr froh. Ich hatte die Gelegenheit, das Land auf diese Weise so intensiv und ausgiebig zu erleben. Aber ich bin mir sicher: Auch kürzere Aufenthalte sind wertvoll und total spannend. Jeder, der die Chance hat, sollte sie nutzen.

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