Erfahrungsbericht Maarten aus Shijiazhuang

Vieles war unbekannt, doch genau diese Unsicherheit war auch ein Antrieb.

Maarten

Gastdozent in Hebei Vocational College of Rail Transportation

Vieles war unbekannt, doch genau diese Unsicherheit war auch ein Antrieb.
Es ist eine Erfahrung, die man so nicht planen oder ersetzen kann und die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Vor der Reise war ich ehrlich gesagt ziemlich aufgeregt. Ich war noch nie in China und konnte überhaupt nicht einschätzen, was mich dort erwartet. Weder die Reise an sich noch die Gegebenheiten vor Ort oder die Kultur waren für mich vorher wirklich greifbar. Gerade weil so vieles unbekannt war, hatte das Ganze auch etwas Einschüchterndes und zeitweise sogar leicht Beängstigendes. Gleichzeitig war genau diese Unsicherheit auch ein Antrieb. Meine Entscheidung mitzumachen basierte vor allem auf Neugier, einem großen Interesse an China und der chinesischen Kultur sowie der Freude am Lehren und am fachlichen Austausch mit Studierenden. Rückblickend war das absolut die richtige Entscheidung. Ich würde es jederzeit wieder machen. Es ist eine Erfahrung, die man so nicht planen oder ersetzen kann und die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Besonders spannend war für mich, dass ich das Programm in zwei unterschiedlichen Formaten erleben konnte. Einmal online mit Zeitverschiebung, was sich überraschend gut in den normalen Alltag integrieren ließ, auch wenn es natürlich organisatorisch eine gewisse Disziplin erfordert hat. Die zweite Erfahrung war dann der Aufenthalt direkt vor Ort in China. Das Leben und Arbeiten vor Ort, inklusive der Unterbringung im Hotel der Hochschule, hatte natürlich eine ganz andere Intensität. Man ist dauerhaft im Umfeld, erlebt den Alltag hautnah mit und taucht viel tiefer in Kultur, Sprache und Denkweisen ein. Gerade dieser Teil hat unglaublich viel Spaß gemacht und den größten Eindruck hinterlassen.

Während der Zeit in China war ich an sehr vielen unterschiedlichen Orten unterwegs. Unter anderem in Baoding, einer Stadt in der Nähe von Peking, sowie in Peking selbst und mehreren umliegenden Städten. Dazu kamen Ausflüge zur Chinesischen Mauer, zu verschiedenen Tempelanlagen, nach Shijiazhuang, zum Longxing Temple und zum Sommerpalast. Diese Mischung aus modernen Großstädten, historischen Orten und kulturellen Sehenswürdigkeiten hat das Gesamtbild sehr geprägt. Ein großer Teil des Alltags spielte sich außerdem auf dem Campus des Hebei Vocational College in Shijiazhuang ab, aber auch in Parks, auf Foodmärkten und in den umliegenden Einkaufsstraßen. Gerade diese alltäglichen Orte abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten geben einen sehr guten Eindruck vom tatsächlichen Leben vor Ort.

Der Tagesablauf war klar strukturiert. Der Unterricht fand in der Regel von 8:00 bis 16:00 Uhr statt, mit ausreichend Pausen dazwischen. Gegessen wurde meist im Hotel, alternativ auch gemeinsam mit den Studierenden in der Mensa, was ich persönlich sehr empfehlen kann, weil man dort noch einmal anders ins Gespräch kommt. Die Hotelzimmer waren durchweg angenehm, sauber und gut ausgestattet, sodass man sich auch nach einem langen Tag gut zurückziehen konnte. Der Unterricht selbst war stark praxisorientiert. Es gab viele Gruppenarbeiten, zahlreiche Übungsaufgaben und regelmäßige Präsentationen. Studium und Leben vor Ort lassen sich nur bedingt mit Deutschland vergleichen. Alles ist deutlich strukturierter, der Tagesablauf ist klar vorgegeben, Anwesenheit und aktive Teilnahme haben einen hohen Stellenwert. Die Studierenden sind sehr diszipliniert, respektvoll und gleichzeitig interessiert. Der Lernalltag ist stark gemeinschaftlich und weniger individuell ausgerichtet, was anfangs ungewohnt ist, aber gut funktioniert.

Was mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist ganz klar das Essen. Es ist günstig und gleichzeitig unglaublich gut. Meine klare Empfehlung ist, so viel und so vielfältig zu essen wie möglich und keine Scheu vor neuen Gerichten zu haben. Auch die Mobilität ist bemerkenswert. Öffentliche Verkehrsmittel, Taxis und Zugreisen sind sehr günstig, genauso wie Hotels, jedoch sollte man das Haus nie ohne seinen Reisepass verlassen. Die Städte sind riesig und weitläufig, ist mit der U-Bahn und den Schnellzügen aber sehr einfach und schnell. Insgesamt liegen die Lebenshaltungskosten grob bei etwa einem Achtel der deutschen Preise, was wirkliche viel Möglichkeiten eröffnet. Der Alltag wird sehr einfach, wenn man sich vorab gut vorbereitet und Apps wie Alipay (am besten verbunden mit einer Kreditkarte, Debitkarten funktionieren selten. Für den Worstcase sollte immer ein wenig Bargeld im Portemonnaie sein), WeChat, Trip.com oder AMap installiert. Ohne diese Apps wäre vieles deutlich komplizierter. Die Menschen vor Ort sind ausgesprochen zuvorkommend, hilfsbereit und neugierig, auch wenn sie in der Regel kein Deutsch sprechen. Mit Übersetzungsapps funktioniert die Kommunikation aber überraschend gut, vor allem beim Übersetzen von Speisekarten, Hinweisschildern oder kurzen Alltagsfragen.

Mein klarer Rat an zukünftige Teilnehmende ist, offen zu bleiben, Eigeninitiative zu zeigen und sich wirklich auf das Land und die Menschen einzulassen. Probleme mit Motivation hatte ich zu keinem Zeitpunkt. Dafür gibt es einfach viel zu viel zu entdecken, sowohl fachlich als auch kulturell. Langeweile kommt nicht auf, weder in der Lehre noch in der Freizeit. Auch An und Einreise sind absolut unkompliziert, da alles sehr gut organisiert ist und man vor Ort stark unterstützt wird. Wer die Chance hat, sollte sie nutzen und sich nicht von anfänglicher Unsicherheit oder Zurückhaltung abschrecken lassen. Die Erfahrung lohnt sich in jeder Hinsicht.

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