Erfahrungsbericht Martin aus Hangzhou

Zwei Wochen CAD-Unterricht am Hangzhou Polytechnic College

Martin

Gastdozent in Hangzhou – CAD / Digitales Modellieren mit Fusion 360

Zwei Wochen lang habe ich am Hangzhou Polytechnic College einen Kurs in digitalem Modellieren gegeben, unterrichtet habe ich mit Fusion 360. Am letzten Kurstag noch eine kurze Bilanz, bevor am Folgetag die Abschlussprüfung anstand.

Ankunft und Organisation

Organisatorisch lief von Anfang an vieles reibungslos. Ich wurde am Flughafen abgeholt und direkt in eine eigene Wohnung auf dem Campus gebracht – mit Bad und Schlafzimmer, wirklich nichts zu meckern. Von dort aus waren es nur ein paar Gehminuten bis zum Kursraum, was den Alltag deutlich einfacher gemacht hat.

Unterrichten mit anderer Erwartungshaltung

Im Unterricht selbst musste ich meinen gewohnten Stil ziemlich anpassen. In China ist der Unterricht insgesamt deutlich stärker frontal geprägt, und praktisches Arbeiten muss man in sehr viele kleine, klar abgegrenzte Schritte unterteilen. In Deutschland habe ich in CAD-Kursen immer viel Raum für freies, kreatives Konstruieren gegeben – das funktioniert hier so nicht. Ohne stringente, eng geführte Aufgaben ist die Klasse schnell weg: Dann wird geschlafen oder heimlich am Handy oder Rechner gezockt.

Sprachlich war das Niveau eher gering, weder mit Deutsch noch mit Englisch kam ich wirklich weit, nur vereinzelt konnten Studierende Englisch. Ich war also stark auf die Übersetzung angewiesen, und wie viel am Ende ankam, hing spürbar davon ab, wie gut übersetzt wurde.

Technik: Lieber einmal zu viel abgesichert

Etwas Improvisationstalent braucht man auf jeden Fall, weil mal eine Kabelverbindung oder eine Übertragung nicht klappt – das kennt man aus Deutschland aber genauso. Wichtig ist, sich möglichst redundant aufzustellen: ein eigenes HDMI-Kabel dabei haben und neben einem VPN auch einen mobilen Hotspot einrichten können, damit man nicht vom WLAN vor Ort abhängig ist. Gerade bei einer cloudbasierten Software wie Fusion macht das einen echten Unterschied.

Softwarewahl und eigene Vorbereitung

Fusion 360 hat sich für diese Art Workshop als sehr geeignet erwiesen, auch wenn die Hochschule regulär eher mit Siemens NX arbeitet. Dagegen spricht grundsätzlich nichts, für den Einstieg finde ich Fusion aber sehr gut geeignet. Was die eigene Vorbereitung angeht: Man sollte in der Software, die man unterrichtet, wirklich sattelfest sein. Ich bin nach ein paar Tagen dazu übergegangen, mein Programm komplett auf chinesische Menüführung umzustellen und selbst auf Chinesisch zu bedienen – das geht nur, wenn man das Programm auswendig kennt. Bei NX hätte ich dafür vermutlich noch deutlich mehr Vorlauf gebraucht.

Die Prüfung – eine Überraschung

Dass am Ende des Kurses eine Prüfung ansteht, wusste ich im Vorfeld nicht und musste sie entsprechend kurzfristig vorbereiten. In der Prüfung sollten die Studierenden einzelne Bauteile modellieren, diese zu einer beweglichen Baugruppe zusammensetzen und abschließend noch ein Gehäuse dazu konstruieren.

Fazit

Für mich persönlich war das Essen vor Ort tatsächlich eines der größten Highlights – wirklich richtig gut. Und natürlich, ganz klassisch, das Kennenlernen der Menschen dort.

 

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