Erfahrungsbericht Patricia aus Binzhou

Insgesamt finde ich es sehr schade, dass in Deutschland so viele Vorurteile gegenüber
dem Land herrschen, dabei ist es so sehenswert.

Patricia

Gastdozent in Binzhou
im Fachbereich Zahnmedizin

Insgesamt finde ich es sehr schade, dass in Deutschland so viele Vorurteile gegenüber
dem Land herrschen, dabei ist es so sehenswert.

China ist ganz andres als ich mir das vorgestellt habe – ich hatte einen komplett anderen
Eindruck vom Land bekommen, als ich es erwartet habe.

Meine ersten Eindrücke in China.
Ich habe bisher keine Erfahrungen in China bzw. Ostasien gemacht. Die einzige Asienreise bisher waren zwei Wochen Bali (Indonesien). Meine Erwartungen waren nicht hoch, Da ich ein sehr vorurteilsfreier Mensch bin. Ich hatte jedoch erwartet, dass China „strenger“ bzw. die Menschen konservativer sind.

Trotzdem war der  Kulturschock“ da, weil ich schnell begriff, dass man alles digital machen kann, wirklich ALLES. Man kann etwas bestellen und durch den Alltag kommen, ohne mit jemandem zu sprechen, was schon krass ist.
Bezüglich des Essens habe ich befürchtet, dass es keine vegetarischen Optionen gibt und es auch keine Hafermilch gibt. Ich war überrascht, obwohl das mit dem essen trotzdem ein wenig stimmt, gibt es zahlreiche Cafés, die auch amerikanisch inspiriert sind. Ein Starbucks existiert auch und sogar McDonald’s, PizzaHut und KFC sind in Binzhou vertreten. Es gibt in so gut wie jedem Café auch Hafermilch als Option. Was mir sehr gut gefällt: Alles ist super günstig und sehr lecker. Es gibt auch viele Läden, in denen leckerer Milchtee angeboten wird.

Zum Supermarkt gibt es zu sagen, das sich sehr überrascht bin, dass es dort so tolles, schmackhaftes frisches Obst gibt. Besonders rote Drachenfrüchte und Jackfruit mag ich sehr, das sollte man unbedingt probieren! Leider ist allerdings vieles gesüßt, bzw. fast alles mit Zucker versetzt, was ich nicht so toll finde. Nach längerer Recherche und Befragen von ein paar Einheimischen konnte ich dann trotzdem auch bspw. Joghurts ohne konventionellen Zucker ausfindig machen  (allerdings mit Süßstoffen versetzt). Was mich auch überrascht, dass es in China so tolle Sonnenuntergänge gibt! Fast jeden Tag scheint hier auch im Winter die Sonne und es gibt meistens einen klaren, wolkenlosen Himmel, wirklich atemberaubend!

Was die Menschen betrifft, bin ich immernoch sehr überwältigt davon, das ich oft fotografiert werde. Ich finde es nicht schlimm, aber man muss sich daran gewöhnen. Von Natur aus erscheinen mir die Menschen in China eher distanzierter, aber auch gleichzeitig respektierender gegenüber Fremden, als andere Kulturen. Man wird hier generell sehr in. Ruhe gelassen und nicht oft aktiv angesprochenen ein man alleine unterwegs ist. Wenn man freundlich ist und aktiv um Hilfe bittet, wird einem aber immer geholfen. Hingegen, wenn ich mit anderen Chinesen unterwegs war, wurde ich sehr oft angesprochen und auch nach meiner Nationalität und meinem WeChat-Kontakt gefragt – vielleicht war das
der Eisbrecher?

Meine Erwartung am College war, dass es sich bei den Studierenden um Zahnmedizinstudierende handelt, da ich Zahnärztin bin. Jedoch stellte sich heraus, dass es Zahntechnikstudierende sind – in Deutschland ist Zahntechnik kein Studium, sondern
eine Ausbildung.

Meine Motivation für das Projekt.
Ich bin ein sehr weltoffener Mensch, der den Austausch mit anderen Kulturen liebt und gerne den Vibe der Menschen bzw des Landes einfängt. Außerdem ist meine Begeisterung für die Zahnmedizin sehr groß, da es mein absoluter Traumjob ist. Ich liebe es, wenn sich andere Menschen für mein Fach und auch meine Kultur bzw Sprache interessieren und teile mit ihnen liebend gerne mein Wissen. Mir macht der Austausch mit anderen Kulturen sehr Spaß und ich liebe es, im Gegenzug auch etwas über die Menschen und die Lehre vor Ort zu lernen, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, teilzunehmen.

Die Orte an denen ich unterwegs war, während meiner Zeit.
Zuerst war ich natürlich am Studienort Binzhou und dort vor allem auf dem Gelände des Binzhou Polytechnik College. Der Campus ist wahnsinnig groß und es gibt sehr große Gebäude und in der gesamten Uni ca 20.000 Studenten! Außerdem gibt es zahlreiche Sportmöglichkeiten wie Fußball- und Basketballfelder, Tischtennisplatten im freien, Fitnessstudios und Badminton, Billard etc auf dem Campus. Ich habe sehr schnell Freundschaften geschlossen dort, was sicherlich meiner offenen und kommunikativen Art geschuldet ist. In der Mensa war ich jeden Tag, auch immer in Begleitung. Es gibt dort sogar eine kleine vegetarische  Essensauswahl, wie z.B. Malatang. Man kann frisches Gemüse auswählen und es wird frisch gekocht – darüber war ich sehr überrascht und das freut mich sehr, denn aus deutschen Mensas ist man eher gewohnt, dass alles convenient ist.

Während des Wochenendes in Binzhou bin ich alleine durch die Stadt gejoggt und habe mich auf Amap zurechtgesucht, um mir ein paar schöne Plätze anzuschauen. Ich war bei der Zonghai Liebesinsel und hatte tolle Sonnenuntergänge genossen. Außerdem war ich shoppen und auch oft in der Wanda Plaza Mall. Hier gibt es tolle Geschäfte und auch viele Restaurants. Außerdem war ich gemeinsam mit chinesischen Freunden dort bei BigPizza, was sehr populär dort ist. Es war sehr interessant, welche crazy Pizzakombinationen existieren.

Nach meinem Aufenthalt in Binzhou bin ich noch für ein paar Tage nach Peking gereist, da mein Flug von dort aus wieder zurück nach Deutschland ging. Ich fahr dort zunächst mit dem Zug hin. Mir gefällt, dass alles so sicher ist in China: Der Bahnhof gleicht einem Gate am Flughafen und es gibt überall Sicherheitskontrollen, sodass reisen wirklich für jeden sehr sicher ist. Außerdem haben die Züge nie Verspätung, es gibt kein Gedränge am Bahnsteig oder im Zug und alle Sitze sind in Fahrtrichtung ausgerichtet – sehr angenehm!
In Peking habe ich mir selbst ein günstiges Hotel gebucht über booking.com. Das Zimmer war sehr klein, aber hatte alles, was man braucht. Die Gastgeber waren sehr freundlich und haben mir für meine Ausflüge kostenlos Wasser zur Verfügung gestellt. Zur Begrüßung erhielt ich auch einen Tee. Am ersten Tag habe ich eine Tour zur chinesischen Mauer gemacht und zum Sommerpalast. Beide Sehenswürdigkeiten sind wirklich sehr zu empfehlen. Vor allem die Mauer war sehr eindrucksvoll. Abends war ich in der Stadt in einer Mall und habe ein Eis bei Dairy Queen gegessen (bestes Eis meine Meinung nach!) und auch eine Chinesin kennengelernt, die in Dänemark 10 Jahre lang gelebt hat – sie hat mir beim Bestellen geholfen. Danach bin ich in einen Club bzw Bar (D-Martini Bar & Lounge Peking) gefahren, da ich unbedingt einen chinesischen Nachtclub besuchen wollte und ich feiern gehen liebe, denn auch Zuhause bin ich gerne in Nachtclubs unterwegs zum tanzen und austauschen. Dort habe ich auch Menschen aus anderen Kulturen kennengelernt und auch ein paar Deutsche getroffen, die alle für Audi in Peking gearbeitet haben. Insgesamt hatte ich einen super Abend. Am nächsten Tag bin ich noch zum Hopson One gefahren – eine große Shopping Mall. Die Zeit zwischen meiner Abreise zum Flughafen und dem Aufstehen hat leider nicht mehr gereicht, um zur Fortbilden City zu fahren, sonst hätte ich diese oder den Himmelstempel noch besichtigt.
Beim zweiten Chinaaufenthalt bin ich nachträglich noch für ein paar Tage nach Shanghai gereist. Die Stadt ist sehr eindrucksvoll und es gibt super viel zu entdecken! Z.B. kann man den bekannten Yu Garden besichtigen oder die schöne Old Town. Den Bund am Abend zu besichtigen lohnt sich ebenfalls sehr, denn man hat einen wunderschönen Blick auf die atemberaubende Skyline! Auch an Clubs und Bars mangelt es in Shanghai nicht. Es gibt sogar ein paar vegane bzw vegetarische Restaurants, was mir sehr gefallen hat. Alles ist auch hier recht preiswert. Ich wurde auch von einer Veganen Chinesin zur Teezeremonie eingeladen zum Austausch. Es war sehr spannend. 

Mein Leben und die Arbeit vor Ort
Das Leben ist definitiv viel größer, enger, aber auch weitläufiger als in Deutschland. Die Gebäude sind sehr groß und auch die Mittelschicht wohnt oft in großen Hochhäusern. Ein bisschen wie ein Widerspruch in sich: Einerseits ist alles sehr getaktet zeittechnisch gesehen (also es gibt feste Pausenzeiten, die auf die Minute genau einzuhalten sind und Unpünktlichkeit ist eher schlecht), andererseits hängen alle auch sehr viel am Handy. Das Handy, besonders Social Media, ist hier omnipräsent. Ohne Alipay und WeChat geht im
Alltag sowieso nichts. Man bezahlt überall mit der App und auch die ganze Kommunikation mit den Studenten und Dozenten läuft über diese Apps. Trotzdem hat man meiner Meinung nach in China eigentlich überall das Gefühl, egal in welchem Job, die Menschen gehen der Sache mit Herzblut nach bzw. haben eine gute Einstellung zum arbeiten und sind immer freundlich.

Meine Eindrücke, die ich aus China mitnehme.
China ist ganz andres als ich mir das vorgestellt habe – ich hatte einen komplett anderen Eindruck vom Land bekommen, als ich es erwartet habe. Besonders bemerkenswert finde ich, dass es so ganz anders ist, als die Medien in Deutschland von Land und Leuten berichten. Es wird in den Medien alles so „komisch“ dargestellt und sonderbar. Ich hatte diesen Eindruck überhaupt nicht. Im Gegenteil – ich bin begeistert von der Vielfalt im Supermarkt, vom Streetfood, von den Sehenswürdigkeiten in Peking und Shanghai und auch gewiss von der Freundlichkeit der Menschen im Land. Die Chinesen sind zwar sehr diskret und überhaupt nicht aufdringlich, helfen aber immer mit vollem Elan weiter, sobald man jemanden zu Hilfe bittet. Außerdem sind die Züge hier – im Gegensatz zu Zügen aus Deutschland – sehr pünktlich und sehr komfortabel! Alles ist super organisiert, es gibt sogar einen Security Check man jedem Bahnhof, sodass reisen für jedermann sicher ist. Das vermisse ich an Deutschland sehr. An deutschen Bahnhöfen entsteht immer eine Art seltsame Atmosphäre, was hier in China gar nicht der Fall ist. Insgesamt finde ich es sehr schade, dass in Deutschland so viele Vorurteile gegenüber dem Land herrschen, dabei ist es so sehenswert!

Folgt uns auf ...